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Lerntechnik / Frontalunterricht

Geschichtliche Entwicklung

Im 17. Jahrhundert in der allgemeinen Schulpflicht, enormer Bevölkerungswachstum und das Recht für Bildung machte die Unterrichtsform Frontalunterricht nötig um Bildung für die Masse des Volkes durch zu führen zu können. Erstaunlich ist, daß angesichts der über 2000 Jahre alten Geschichte der Schule diese Un- terrichtsform relativ jung ist. Sie hat zwar keine genau anzugebende Geburtsstunde, paßt aber von ihrer Entstehung her am ehesten in das 17. Jahrhundert, d. h, sie ist rund 250 Jahre alt. ( Quelle Uni-postdam Gudjons, Herbert, Frontalunterricht – aber gut!)

Kurzbeschreibung

Frontalunterricht ist eine Unterrichtsform bei der einer Lerngruppe ein bestimmter Inhalt sprachlich vermittelt wird. Kennzeichnend für den Frontalunterricht ist, dass allein der Lehrende den Unterricht steuert, kontrolliert und bewertet.

Definition In der Regel wird beim Frontalunterricht der Lernprozess durch die sprachlichen Anweisungen des Lehrenden gesteuert, die Klasse wird im Verband gleichzeitig und einheitlich angesprochen. Mittelpunkt des Lernens ist die Orientierung in Bezug auf eine Wissenseinheit. Ein Synonym für Frontalunterricht ist Klassenunterricht. (vgl. Breitenstein 2006, S. 94). Wiechmann (2006, S. 21ff.) beschreibt dabei, dass der Begriff des Frontalunterrichts eher ein Sammelbegriff für ganz verschiedene Unterrichtskonzepte ist.

Es werden das direkte Unterrichten, der genetisch-dramaturgische Unterricht sowie der Frontalunterricht unterschieden.

Aschersleben (1999, S. 108ff zitiert nach Bonz 2006, S. 333f.) nennt drei Varianten von Frontalunterricht:

Der darbietende Unterricht: Hier werden alle didaktischen Handlungen vom Lehrenden durchgeführt -

 wie Wissenspräsentation, Reduktion, Integration, Medienauswahl, Übungsbeispiele, Lernkontrolle, etc.

Der Fragen entwickelnde Unterricht:Hier wird zunächst auf das Vorwissen der Lernenden zurückgegriffen und dieses ergänzt. Die Steuerung der Auseinandersetzung liegt dabei beim Lehrenden.

Der entwickelnde Impulsunterricht: Hier soll das Interesse der Lernenden an Thema und die Auseinandersetzung damit angeregt werden. Maßnahmen wie Widersprüche, Provokationen, Interesse weckendes Material sind dazu angetan, die Lernenden in Kontakt mit einem Thema zu bringen.

Merkmale (vgl. Gudjons 2007, S. 265f.)

Der Lernprozess ist überwiegend durch die sprachlichen Anweisungen der lehrenden Person bestimmt. Das Angebot richtet sich standardisiert an eine größere Gruppe von Schülerinnen und Schülern; Im Mittelpunkt steht die Wissensorientierung über ein Stoffgebiet als Vermittlung von Sachwissen; Eine Ergebnissicherung von verschiedenen Unterrichtseinheiten und –abschnitten kann vorgenommen werden.

Phasen (vgl. Richter 2004, S. 11):

1) Orientierungsphase (Anknüpfungsphase): Herstellung einer Verbindung des (Vor-) Wissens der Schülerinnen und Schüler mit dem neu zu bearbeitenden Stoff;

(2) Rezeptionsphase (Präsentationsphase): Vorstellung des neuen Lernstoffs in geordneter Form;

(3) Interaktionsphase (Verarbeitungsphase): Herausarbeiten der wichtigsten Einsichten durch die Schülerinnen und Schüler, Herstellen einer persönlichen Bedeutung, Integration in einen Wissenszusammenhang;

(4) Festigungsphase (Absicherungsphase): Erworbene Kenntnisse und Fertigkeiten können auf neue Fälle und Gebiete übertragen und mit neuen Nutzungsperspektiven verknüpft werden (Transfer);

Kritische Einschätzungen und Diskussion

Zur Einschätzung des Frontalunterrichts sollen hier zusammengefasst einige gängige Argumente des Pro und Kontra des Frontalunterrichts genannt werden:

Pro

Für den Frontalunterricht sprechen das ökonomische Vorgehen und die vergleichsweise leichte Vorbereitung. Auch die persönlichen Erfahrungen von Lehrenden in der Schülerrolle können den Eindruck erwecken, dass der Frontalunterricht eine legitime Methode im Kontext von Unterrichtsgestaltung darstellt. Die Anforderungen an die räumliche wie die technische Ausstattung sind gegenüber anderen Vorgehensweisen gering.

Kontra

 An der Form des Frontalunterrichts wurde bereits früh Kritik geübt. 
Insbesondere die Dominanz des Wortes, der Mangel an Schüleraktivität und die Vernachlässigung der Sozialbeziehungen während des Vortrags des Lehrers führte zur Entwicklung alternativer Unterrichtsformen. Zudem kann Frontalunterricht eine autoritäre Struktur aufweisen, zugespitzt formuliert Meyer (2001, S. 97): „ Frontalunterricht erzieht zum Obrigkeitsstaat“ .

Quellen

Bonz, B.: Methoden der schulischen Berufsbildung. In: Arnold, R. & Lipsmeier, A. (Hrsg.): Handbuch der Berufsbildung. 2. Auflage, Wiesbaden: VS Verlag. 2006. S. 328-341. Breitenstein, G.: Teilnahme am Unterricht. Ethnographische Studien zum Schülerjob. Wiesbaden: VS Verlag. 2006. Gudjons, H.: Frontalunterricht - neu entdeckt. 2. Auflage, Bad Heilbrunn: Klinkhardt. 2007. Meyer, H.: Plädoyer für die Wiederbelebung des Frontalunterrichts. In: Meyer, H.: Türklinkendidaktik: Aufsätze zur Didaktik, Methodik, und Schulentwicklung. Berlin: Cornelsen Scriptor. S. 92-118. Richter, C.: Frontalunterricht. Beschreibung und Bewertung. Norderstedt: Grin Verlag. 2004. Wiechmann, J.: 12 Unterrichtsmethoden. Weinheim: Beltz Verlag. 2006.

 
(C) die jeweiligen Autoren last change: 22. November 2016